Freiwilligenarbeit – zwischen Job und ehrenamtlichem Engagement
Viele Menschen verspüren das Bedürfnis, sich neben ihrem Job oder ihrer Ausbildung sozial zu engagieren. Neben der persönlichen Befriedigung und Horizonterweiterung kann sich eine ehrenamtliche Tätigkeit auch positiv auf die Karriere auswirken.
Anderen Menschen zu helfen, etwas
Sinnvolles zu tun, sich für eine Herzensangelegenheit
zu engagieren – dies sind
häufige Beweggründe, warum Menschen
Freiwilligenarbeit leisten. Ehrenamtliches
Engagement wird hierzulande
groß geschrieben: Rund 44 Prozent aller
ÖsterreicherInnen ab 15 Jahren sind in ca.
100.000 gemeinnützigen Organisationen
und Vereinen oder in der Nachbarschaftshilfe
tätig. Mit dem „Europäischen Jahr
der Freiwilligentätigkeit zur Förderung der
aktiven Bürgerbeteiligung 2011“, das die
Europäische Union ausgerufen hat, ist
die Freiwilligenarbeit noch stärker in den
öffentlichen Blickpunkt gerückt.
Freiwillige sind häufig berufstätig
Größer
Von der Betreuung von Obdachlosen oder
älteren Menschen über Kinder- und Jugendarbeit,
dem Engagement in kulturellen
Vereinen oder kirchlichen Organisationen
bis zu Hilfs- und Rettungseinsätzen, um nur
einige Einsatzbereiche zu nennen, opfern
über drei Millionen ÖsterreicherInnen gerne einen Teil ihrer Freizeit, um unentgeltlich
einen Dienst an der Gesellschaft zu leisten.
Auch wenn Freiwilligenarbeit in allen
Bevölkerungsgruppen ein Thema ist, so betätigen
sich vor allem sozial gut integrierte
Personen sowie Menschen mit höheren
Bildungsabschlüssen besonders häufig in
gemeinnützigen Vereinen und Organisationen.
Laut einer Studie des Zentrums für
Zukunftsstudien der FH Salzburg zeigen
die 20- bis 24-Jährigen (mit ca. 47 Prozent)
sowie die 40- bis 49-Jährigen (mit ca. 50
Prozent) dabei besonders viel Engagement.
Bemerkenswert ist, dass sehr viele
Berufstätige freiwillige Arbeit leisten – sollte
man doch meinen, dass diese weniger Zeit
für eine ehrenamtliche Tätigkeit aufbringen
könnten.
Persönliche Befriedigung und berufliche Vorteile
Ein ehrenamtliches Engagement kann in
vielerlei Hinsicht bereichernd sein: Das
Wissen, anderen Menschen zu helfen und
auf diese Weise etwas „zurückzugeben“,
bereitet vielen Freiwilligen ein gutes Gefühl
und eine tiefe Zufriedenheit. Die neuen
Kontakte und Anforderungen, die sich im
Rahmen einer ehrenamtlichen Arbeit ergeben,
erweitern nicht nur den persönlichen,
sondern auch den beruflichen Horizont.
Selbst wenn die Tätigkeit inhaltlich auf
den ersten Blick nichts mit dem Brotberuf
zu tun hat, so werden doch meist die im
Berufsleben so häufig geforderten Soft Skills trainiert: Teamfähigkeit, Belastbarkeit,
ein gutes Auftreten, die Fähigkeit, andere
zu motivieren etc. Aus diesem Grund sehen
es Personalverantwortliche gerne, wenn
im Lebenslauf ein soziales oder gemeinnütziges
Engagement angeführt wird.
Tipp
Auch wenn es den meisten Freiwilligen
um die gute Sache geht, empfiehlt es sich,
ehrenamtliches Engagement mit dem
„Nachweis über Freiwilligenarbeit“, der von
der Wirtschaftskammer und vom Arbeitsmarktservice
unterstützt wird, dokumentieren
zu lassen.
Corporate Volunteering
Nicht nur Privatpersonen, sondern auch
immer mehr Unternehmen zeigen sich von
ihrer sozialen Seite, sei es durch finanzielle
Unterstützung von gemeinnützigen
Organisationen, Sachspenden, temporäre
Freistellung der MitarbeiterInnen oder
Zurverfügungstellen von personellen Ressourcen.
Ein Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit:
Die Firma IBM fördert schon
seit Langem das freiwillige Engagement
ihrer MitarbeiterInnen durch weltweite Programme.
Im Jahr der Freiwilligentätigkeit
stellt IBM dem Verein „Wiener Tafel“, der
überschüssige Lebensmittel und Hygieneartikel
aus Industrie und Handel sammelt
und an Sozialeinrichtungen ausliefert, mehr
als 100 ehrenamtliche MitarbeiterInnen zur
Seite. Die Kooperation wird darüber hinaus
mit einer Spende von 100.000 Dollar gefördert,
die in die Weiterentwicklung der technischen
Logistik investiert wird. Natürlich
fließt dabei auch das fachliche Know-how
der IBM-MitarbeiterInnen ein.
Freiwilliges Soziales Jahr
Junge Menschen zwischen 18 und 26
Jahren haben in Österreich die Möglichkeit,
ein „Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ)“ zu absolvieren.
Interessant ist dies vor allem für
jene, die sich gerne sozial engagieren oder
ausloten möchten, ob sie für einen sozialen
Beruf geeignet sind. Viele nutzen dieses
Jahr auch, um sich in Ruhe über ihre berufliche
Zukunft klar zu werden. Die Einsatzbereiche
sind vielfältig: von der Arbeit mit
Menschen mit Behinderungen, mit Kindern
und Jugendlichen sowie alten Menschen
bis zur Mitbetreuung von Flüchtlingen und
Obdachlosen. Auch wenn sie der berufliche
Weg nach dem FSJ in eine andere Richtung
führt – von den Erfahrungen dieser Zeit
können die jungen TeilnehmerInnen auf alle
Fälle profitieren.


